Kragarmregale sind die erste Wahl für Langgut wie Rohre, Profile, Holz, Bleche oder Platten – und genau ihre offene Bauweise stellt bei der Prüfung besondere Anforderungen. Wer Kragarmregale betreibt, muss sie ebenso regelmäßig und sorgfältig prüfen lassen wie jede andere ortsfeste Regalanlage. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Kragarmregale technisch besonders macht, welche vier Bauteile bei der Prüfung im Mittelpunkt stehen, wie der Ablauf aussieht und wie oft geprüft werden muss.
Was Kragarmregale besonders macht
Anders als geschlossene Paletten- oder Fachbodenregale tragen Kragarmregale ihre Last auf einseitig oder beidseitig auskragenden Armen, die an einer zentralen Säule befestigt sind. Diese Bauweise verzichtet bewusst auf vordere Stützen und schafft so durchgehende, frei zugängliche Lagerebenen – ideal für lange, sperrige oder unhandliche Güter, die sich in klassischen Regalen nicht sinnvoll lagern lassen.
Der konstruktive Vorteil ist zugleich die größte Herausforderung: Jeder beladene Arm wirkt wie ein Hebel und erzeugt ein hohes Biegemoment an Säule und Verankerung. Schon kleine Überlastungen oder Beschädigungen können daher überproportional große Auswirkungen auf die Standsicherheit haben. Genau deshalb gelten bei der Regalprüfung für Kragarmregale eigene Schwerpunkte, die über die Kontrolle eines normalen Palettenregals hinausgehen.
Warum die Prüfung von Kragarmregalen besonders wichtig ist
Wie alle ortsfesten Regale unterliegen auch Kragarmregale der gesetzlichen Prüfpflicht nach DIN EN 15635 und DGUV Regel 108-007. Welche Fristen und rechtlichen Vorgaben dabei im Detail gelten und wer dafür verantwortlich ist, haben wir in einem eigenen Beitrag ausführlich erklärt.
Die einseitige Lastaufnahme macht regelmäßige Kontrollen bei Kragarmregalen besonders kritisch. Ein verbogener Arm, ein angefahrener Fuß oder eine gelockerte Verankerung schwächt nicht nur ein einzelnes Fach, sondern kann die Tragfähigkeit der gesamten Säule infrage stellen. Im schlimmsten Fall kippt die Anlage unter Last – mit erheblicher Gefahr für Mitarbeiter und Material. Wer Schäden früh erkennt, schützt also nicht nur seine Ware, sondern erfüllt zugleich seine Pflichten als Betreiber.
Die vier zentralen Prüfpunkte

Bei der Prüfung von Kragarmregalen richten unsere zertifizierten Prüfer das Augenmerk auf vier Bereiche, die über die Sicherheit der gesamten Anlage entscheiden:
- Säule und Fuß: Hier laufen alle Kräfte zusammen. Geprüft werden Verformungen, Beulen, Anfahrschäden und die allgemeine Standsicherheit. Eine angefahrene oder verbogene Säule ist immer ein ernstes Warnsignal.
- Kragarme: Die Arme dürfen nicht verbogen, eingerissen oder überlastet sein. Kontrolliert werden außerdem der feste Sitz am Profil, die Arretierung gegen Ausheben und eine gleichmäßige Lastverteilung über alle Ebenen.
- Verankerung: Bodendübel, Grundrahmen und Untergrund müssen die hohen Hebelkräfte sicher aufnehmen. Gelockerte oder fehlende Dübel zählen zu den häufigsten und gefährlichsten Mängeln.
- Kennzeichnung: Ein gut sichtbares Lastschild mit der zulässigen Arm- und Feldlast ist Pflicht. Ohne klare Angaben lässt sich eine Überlastung im Tagesgeschäft kaum vermeiden.
So läuft die Prüfung ab
Eine fachgerechte Prüfung von Kragarmregalen folgt einem strukturierten Ablauf, der sich an der normgerechten Regalinspektion orientiert:
- Bestandsaufnahme: Erfassung aller Anlagen, Bauhöhen, Armlängen und der zulässigen Lasten.
- Systematische Sichtprüfung: Bauteil für Bauteil werden Säulen, Arme, Verankerung und Kennzeichnung kontrolliert und Schäden vermessen.
- Bewertung nach Ampelsystem: Jeder Mangel wird in grün (in Ordnung), orange (beobachten bzw. zeitnah beheben) oder rot (sofort sperren) eingestuft.
- Rechtssicherer Prüfbericht: Sie erhalten eine vollständige Dokumentation mit Fotos, Mängelliste und konkreten Handlungsempfehlungen.
- Nachverfolgung: Festgestellte Mängel werden mit Fristen versehen, damit die Beseitigung nachvollziehbar bleibt.
Wird bei der Prüfung ein kritischer Schaden festgestellt, sollte das betroffene Feld sofort entlastet werden. Wie Sie im Schadensfall richtig reagieren, lesen Sie in unserem Beitrag zum Anfahrschaden am Regal.
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Häufige Mängel an Kragarmregalen
In der Praxis tauchen bei Kragarmregalen immer wieder dieselben Schwachstellen auf:
- Verbogene Kragarme durch Überladung oder unsanftes Beschicken mit dem Stapler.
- Fehlende oder unleserliche Lastschilder, sodass im Alltag niemand die zulässige Last kennt.
- Gelockerte oder unvollständige Bodenverankerung, die die Standsicherheit gefährdet.
- Einseitige Überlastung einzelner Arme oder Ebenen.
- Anfahrschäden an den Füßen, die das tragende Profil schwächen.
Verformte tragende Bauteile dürfen übrigens nicht gerichtet, sondern müssen ersetzt werden – am besten im Rahmen einer fachgerechten Regalreparatur und Instandsetzung mit Originalbauteilen.
Wer darf Kragarmregale prüfen?
Die jährliche Hauptprüfung muss durch eine sogenannte „befähigte Person“ erfolgen – also durch jemanden mit der nötigen Ausbildung, Erfahrung und Kenntnis der einschlägigen Regelwerke. Größere Betriebe schulen dafür eigene Mitarbeiter, viele Unternehmen beauftragen jedoch einen externen Regalprüfer. Der Vorteil: Ein unabhängiger Prüfer bringt Routine, das passende Messwerkzeug und eine objektive Sicht mit – und seine Dokumentation ist im Streitfall belastbar.
Wie oft müssen Kragarmregale geprüft werden?
Für Kragarmregale gelten dieselben Intervalle wie für andere ortsfeste Regale: eine laufende Sichtkontrolle durch eingewiesene Mitarbeiter, eine dokumentierte Hauptprüfung mindestens einmal jährlich sowie zusätzliche Prüfungen nach jedem Schadensereignis. Bei intensiver Nutzung – etwa häufigem Staplerverkehr oder besonders schwerem Langgut – kann ein kürzeres Intervall sinnvoll sein. Die laufende Sichtkontrolle erleichtern Sie sich mit unserer kostenlosen Checkliste weiter oben.
Tipps zur Schadensvermeidung
- Anfahrschutz an exponierten Säulen und in Durchfahrten installieren.
- Ausreichende Sicherheitsabstände beim Beschicken einhalten.
- Staplerfahrer regelmäßig schulen und für die Hebelwirkung der Arme sensibilisieren.
- Lasten gleichmäßig verteilen und die zulässige Armlast nie überschreiten.
Für besonders hohe Traglasten oder die Neuplanung einer Anlage beraten wir Sie gern zu passenden Schwerlast- und Lagerlösungen.
Fazit
Kragarmregale sind effiziente Speziallösungen für Langgut – doch ihre offene Bauweise verlangt bei der Prüfung ein besonderes Augenmerk auf Arme, Säulen und Verankerung. Wer seine Anlagen regelmäßig fachkundig prüfen, dokumentieren und bei Bedarf reparieren lässt, hält sie sicher, gesetzeskonform und langfristig wirtschaftlich. Nutzen Sie unsere kostenlose Checkliste für die laufende Sichtkontrolle – und holen Sie sich für die jährliche Hauptprüfung einen zertifizierten Prüfer ins Boot. Gern unterstützen wir Sie dabei.
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